Ausgewählt

Archiv-Podiumsdiskussion in der VHS mit den Landtagskandidaten (oh)

Warum Kürten und Co. keine Chance hatten.

Alfred Grob wurde überzeugend als neuer Landtagsabgeordneter in Ingolstadt gewählt. Außer ihm schaffte kein anderer Kandidat aus dem Stadtgebiet den Einzug in den Bayerischen Landtag. Nicht einmal Steffi Kürten, die sich eigentlich als Kandidatin der Grünen mit zu den Siegern der bayerischen Landtagswahl 2018 zählen darf. Früher hätten sie und andere eine Chance gehabt, ins Maximilianeum einzuziehen.

Der Stimmkreis Ingolstadt war bei Landtagswahlen einmal ein stolzer Wahlkreis. Noch im Jahre 2008 waren hier 125.640 Einwohner stimmberechtigt. Obgleich Stadt und Region gewachsen sind, insbesondere die Stadt Ingolstadt, konnten im Jahre 2018 aber nur ca. 91.000 Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Der Grund: Zur Landtagswahl 2013 wurden an einen neugebildeten Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen (in dem dann Horst Seehofer kandidierte, der Ingolstadt nicht antreten konnte oder wollte, weil hier Christine Haderthauer gewählte Abgeordnete war) die Gemeinden Burgheim, Karlshuld, Neuburg an der Donau, Oberhausen, Rennertshofen, Weichering und die Stadt Neuburg an der Donau abgegeben. Das brachte für die Region, namentlich für Ingolstadt, erhebliche negative Auswirkungen mit sich: Nach dem bayerischen Wahlrecht ziehen Kandidaten als Direktkandidaten (wer in den einzelnen Stimmkreisen die meisten Stimmen erhalten hat) oder über die Liste in den bayerischen Landtag ein. In Ingolstadt erzielte Alfred Grob im Stimmkreis 119 die meisten Stimmen und wurde damit direkt in den Bayerischen Landtag gewählt.

In früheren Zeiten hatten andere Kandidaten aus Ingolstadt die Chance, über die Oberbayern-Liste ihrer Parteien gleichfalls in den Landtag einzuziehen. Bekanntlich werden bei den Landtagswahlen, die Erst- und Zweitstimmen eines jeden Kandidaten zusammengezählt. Erststimmen erhält der Kandidat in dem Stimmkreis, in dem er als Direktkandidaten nominiert ist. Er kann aber außerhalb seines Stimmkreises in ganz Oberbayern noch weitere Stimmen sammeln. Wurde ein Kandidat nicht direkt gewählt, so entscheidet seine Gesamtstimmenzahl, ob er für seine Partei in Oberbayern in den bayerischen Landtag einziehen kann. Bei der Stimmauszählung wird ermittelt, wie viele Sitze einer Partei im jeweiligen Wahlkreis (für Ingolstadt: Oberbayern) im Bayerischen Landtag zustehen. Hier kommen dann die Kandidaten zum Zuge, die nicht direkt gewählt wurden, aber auf der Liste ihrer Partei besonders oft angekreuzt wurden und demnach oben stehen. Da die Kandidaten natürlich dort am bekanntesten sind, wo sie für ihre Partei antreten, sind die im Vorteil, die in einem großen Stimmkreis nominiert sind. Dies führt dazu, dass insbesondere Münchner Kandidaten erhebliche Vorteile haben. In München gibt es sehr große Stimmkreise. Beispielsweise verfügt der Stimmkreis Schwabing über 117 000, der Stimmkreis München-Pasing über 109.000 Wahlberechtigte. Der verkleinerte Ingolstädter Stimmkreis bietet dafür schlechte Voraussetzungen. Abgesehen von den Direktkandidaten, die in der Regel als CSU-Kandidaten einziehen, haben es die Kandidaten anderer Parteien schwer, über die Liste zu folgen. Dies mussten Achim Werner (SPD) und Markus Reichhart (Freie Wähler) im Jahre 2013 nach der Beschneidung des Stimmkreis Ingolstadt schmerzhaft erfahren. Sie verloren beide ihre Landtagsmandate. Und alle Ingolstädter Kandidaten des Jahres 2018, mit Ausnahme des direkt gewählten Alfred Grob, hatten auf den Listen ihrer Parteien keine Chance. So wurde etwa Steffi Kürten von Platz 11 der Liste auf Rang 27 zurückgewählt. Der Sozialdemokrat Christoph Spaeth kletterte zwar von Rang 22 auf 18, doch es reichte bei weitem nicht. Bemerkenswert die Ergebnisse zweier Kandidaten, die nur auf der Liste, aber nicht als Direkt-/Stimmkreiskandidaten antraten und damit von vornherein keine Chance hatten: Matthias Schickel (CSU) konnte seinen Platz 42 halten und der Grüne Rupert Ebner kletterte gar von Platz 46 auf Rang 37 auf der Liste der Grünen.

Fazit: Mit der Teilung des Stimmkreises Ingolstadt verloren alle Ingolstädter Kandidaten fast 35.000 Wahlberechtigte. Das ist, vom jetzigen Stand aus gesehen, ein Drittel aller möglichen Wähler. So wird wohl auf absehbare Zeit kein weiterer Ingolstädter Kandidat,  außerdem jeweils direkt Gewählten, in den bayerischen Landtag einziehen.

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