Den Stau in Ingolstadt ausbremsen

Sie waren maßgeblich an der Studie beteiligt: v.l. Martin Margreiter (MobilityPartners München), Prof. Peter Vortisch, Leiter des Instituts für Verkehrswesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle und Melanie Goldmann, Leiterin der Trend- Kommunikation bei Audi.

Das Projekt „25. Stunde – Flow“ befasst sich mit den Auswirkungen des Autonomen Fahrens

Wenn das Auto schlauer ist als sein Fahrer, dann können Verkehrsprobleme in Zukunft Geschichte sein? Die Auswirkungen des Autonomen Fahrens sind nun ganz konkret am Beispiel der Stadt Ingolstadt erforscht worden. Das Ergebnis: Die Fahrzeit auf einer typischen Pendlerstrecke lässt sich im vollautonomen Verkehr um ein Drittel senken, obwohl gut zehn Prozent mehr Menschen unterwegs sind. Die Studie „25. Stunde – Flow“, die Audi zusammen mit den Verkehrsforschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), der Münchner Beratung MobilityPartners und der Stadt Ingolstadt durchgeführt hat, ist zu diesem Ergebnis gekommen.

Mehr Verkehrsteilnehmer und trotzdem weniger Stau? Das klingt zunächst paradox. Aber durch das autonome Fahren werden auch Bevölkerungsgruppen wieder mobil, die wegen ihres Alters noch nicht oder nicht mehr Auto fahren. Sie werden für eine erhöhte Nachfrage sorgen. Doch das Auto der Zukunft ist nicht nur mit den anderen Fahrzeugen vernetzt, es kommuniziert auch mit dem Verkehrsleitsystem. So lassen sich Verkehrsflüsse optimieren. „Vernetzte Autos würden sogar ein besseres Baustellenmanagement ermöglichen,“ erklärte dazu Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle.

Autonome Autos tragen langfristig zur Lösung von Verkehrsproblemen in Städten bei. Positive Effekte zeigen sich aber vor allem bei der Kombination mit intelligenter Verkehrssteuerung und einem höheren Besetzungsgrad, also der durchschnittlichen Zahl an Personen pro Auto. Steigt dieser Wert moderat von 1,1 auf 1,3 Personen, weil sich mehr Menschen ein Auto teilen, gibt es zur Rushhour keinen Stau mehr. Foto: AUDI AG

Fahrgemeinschaft 2.0

Die Studie setzt voraus, dass die Menschen nicht unbedingt auf „ihr“ Auto bestehen, sondern bereit sind, zu teilen. So können Autos mit mehreren Personen besetzt werden, die Auslastung pro Fahrzeug steigt. „Der öffentliche Nahverkehr und das private Verkehrsmittel werden zusammen wachsen,“ meinte Prof. Peter Vortisch, Leiter des Instituts für Verkehrswesen am KIT. Vor allem die Kombination aus intelligenter Verkehrsführung und dem diesem höheren Besetzungsgrad würde laut dieser Studie zu einer deutlichen Verkehrs-Entlastung führen. Steigt der Besetzungsgrad, also die Anzahl der Personen pro Auto moderat von 1,1 auf 1,3 Personen, gäbe es zur Rushhour keinen Stau mehr. Im vollautonomen, vernetzten Verkehrssystem sind dann mehr Menschen (+12%) im Berufsverkehr deutlich schneller (-33%) unterwegs. Außerdem würde sich die Straßenfläche neu verteilen: Wenn alle Autos autonom fahren, könnte auf allen vierspurigen Straßen in Ingolstadt ein Fahrstreifen zum Fuß- oder Fahrradweg werden.

„Es war ein hochspannendes Projekt. Das ist die erste Studie, die die Auswirkungen des autonomen Fahrens auf eine Stadt abbildet,“ betonte Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle bei der Präsentation des Projekts, für das die Stadt Ingolstadt ihr komplettes Verkehrsplanungsmodell zur Verfügung gestellt hat. Ab wann ein „stau-freier Stadtzustand“ möglich sei, hängt von vielen Faktoren ab. Rund 20 Jahre würde es wohl mindestens dauern, meinte Prof. Peter Vortisch. Aber in Ingolstadt, dessen Bewohner zu einem großen Teil technik- und autofaffin seinen, könnte das ja schneller geschehen, mutmaßte Oberbürgermeister Christian Lösel. Für Audi sei die Studie ein Ansporn, weiter an selbstfahrenden Autos wie dem Audi Aicon, Services wie Audi on demand oder vernetzter Technologie wie Audi Ampelinformation zu arbeiten“, so Melanie Goldmann, Leiterin der Trend- Kommunikation bei Audi.

Der Audi-Standort Ingolstadt eignet sich mit rund 140.000 Einwohnern gut als „Labor“ für Verkehrsfluss auf der Straße, denn Verkehr hat hier vier Räder: Historisch bedingt gibt es viele Autos und Busse, jedoch keine Metro oder Tram. Rahmenbedingungen, die international auf viele Städte mittlerer Größe zutreffen. Foto: AUDI AG

Einen Wert haben die Forscher im Ingolstädter Verkehrsmodell übrigens isoliert betrachtet, ohne verändertes Nutzerverhalten oder gestiegene Nachfrage zu berücksichtigen: Wie viele selbstfahrende Autos wären heute nötig, damit Verkehr spürbar besser fließt? Mindestens 40 Prozent! Und: Würden im heutigen Ingolstadt nur Robotertaxis fahren, sinken Transferzeiten um ein Viertel.

Audi-Studie „25th Hour – Flow“ – das Video HIER KLICKEN