Des Stadttheaters kleiner Bruder

Wilfried Wang (Vorsitzender der Jury), Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle und Theaterintendant Knut Weber mit einem Modell des Siegerentwurfs

Jury favorisiert den “tiefer gelegten” Entwurf des Architekturbüros blauraum

Die Kammerspiele als moderner „kleiner Bruder“ des großen Stadttheaters. So könnte man den Entwurf beschreiben, für den sich die Jury beim Realisierungswettbewerb zum Neubau der Kammerspiele in Ingolstadt ausgesprochen hat. Die Planungen des Architekturbüros blauraum aus Hamburg überzeugten die Mitglieder der Jury um ihren Vorsitzenden Wilfried Wang.

Nun geht es neben optischen Fragen (Wang: „Die Optik lehnt sich an das Stadttheater an“) vor allem um die Funktionalität. Und da setzen die blauraum Architekten auf eine spektakuläre Lösung: Das Kammerspiel-Gebäude, das süd-westlich des Stadttheaters entstehen soll, wird durch einen unterirdischen Gang mit dem Hauptgebäude verbunden. Das erlaubt einen unkomplizierten Transport von Mensch und Material, ohne eine Straße oder einen – im Idealfall belebten – Platz kreuzen zu müssen. Das neue Kammerspiel Gebäude selbst ist auch zum Teil unter der Erde angesiedelt: „Man geht in das Foyer, um in das Theater herunter zu steigen. Es öffnen sich wunderbare Sichtachsen in die Stadt,“ urteilte Theaterintendant Knut Weber, der auch erklärte: „Das Gebäude erfüllt alle Bedingungen, die ein modernes Theater braucht.“

Der Neubau der Kammerspiele (goldenes Gebäude) soll nach dem Siegerentwurf unterirdisch mit dem Stadttheater verbunden werden.

Es geht also – wie beim künftigen Museum für Design und Konkrete Kunst – wieder in die Tiefe. Und das trifft auch auf das „alte Thetaer“ zu: Die neuen Theater Werkstätten, die sich an den Hämer Bau anschmiegen, werden – sollte dieser Entwurf umgesetzte werden – ebenfalls „tiefer gelegt“. Dazu heißt es im Entwurf: „Werkstätten sind großflächig eingegraben und lassen einen Blick auf die Südfassade (des Stadttheaters Anm.d.Red.) weitestgehend frei“. Ein neugestalteter Platz samt Wasserspiel soll die beiden Theater-Gebäude oberirdisch in Bezug setzen. Die Architekten gehen da in ihrer Vision sogar noch weiter. Schutterstraße, der Kreuzungsraum und die Freifläche südlich des Theaters werden im Sinne einer shared space Lösung unter Berücksichtigung des ÖPNV umgestaltet: „Die Theaterlandschaft entwickelt sich im Falle einer Reduzierung der Schlosslände treppenartig hinunter zur Donau und stärkt die Stadt Ingolstadt als Stadt an der Donau“. Insgesamt sehen die blauraum Architekten ihr Konzept als Weiterentwicklung des Hämerschen Konzepts mit einer bewussten Orientierung zur Donau.

Das Büro blauraum dürfte dem ein oder anderen in diesem Jahr übrigens vielleicht schon „begegnet“ sein – in Form von Architektur natürlich. Dieses Büro zeichnet für die Wohnbebauung „Am Hubland“ in Würzburg verantwortlich, in deren „Vorgarten“ die diesjährige Landesgartenschau stattfand.

Und wie geht’s nun weiter?

Alle Wettbewerbsarbeiten werden im Januar im Rahmen einer Ausstellung Im Lechner-Museum der Öffentlichkeit präsentiert. Dann können sich alle Interessierten ein Bild der unterschiedlichen Entwürfe machen. Außerdem müssen zunächst diverse rechtliche Verfahren abgeschlossen werden und dann „wandert“ das Thema in den Stadtrat. Entschieden ist also noch gar nichts. Oder wie Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle meinte: „Da kann noch viel passieren.“