Die Markthalle – vor 2020?

Kulinarisches Einkaufserlebnis: Markthalle Stuttgart – Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Nachdem der Abendmarkt in der City in Ingolstadt gescheitert ist, soll nun eine Markthalle die Innenstadt beleben. Thomas Deiser will das vor der Kommunalwahl 2020 schaffen.

Mit dem Abendmarkt wollten IN-City und die Innenstadtfreunde die Altstadt beleben. Im Jahre 2017 freute sich IN-City-Chef Thomas Deiser auf der Homepage des Stadtmarketingvereins:

Wir freuen uns auf den Abendmarkt. Er wird für alle Beteiligten eine Bereicherung sein: Für die Besucher der Innenstadt, die Beschicker des Marktes und nicht zuletzt  auch für die Geschäfte, die bis 20 Uhr geöffnet haben werden“.

Am 5. Juli 2018 war dann Schluss: Das unbeständige Wetter soll schuld sein – so die Organisatoren. Andere munkeln, dass es auch am nachlassenden Interesse der Beschicker, also Händler gelegen haben könne.

Doch Deiser lässt nicht locker und meldet sich als CSU-Stadtrat mit einer anderen Idee: Eine Markthalle wünschen er und die CSU-Stadtratsfraktion sich in einer Presseerklärung:

Die CSU regt daher an, dass die IFG zusammen mit dem Innenstadtmarketing IN-City eine geeignete Leerstands-Immobilie kauft oder anmietet und in dieser Immobilie eine Markthalle nach Coburger Vorbild errichtet. Die IFG und IN-City sollen bis zum vierten Quartal 2018 hierfür ein Konzept vorlegen. Thomas Deiser stellt sich vor: “Die “Schanzer Markthalle” soll wie ein Center geführt werden und alle Premiumserviceleistungen wie z.B. freies W-LAN und kostenloses Parken anbieten. So können wir in unserer Innenstadt einen regionalen Anziehungspunkt schaffen.

Etwas überraschend: Diesen Vorstoß der CSU feiert Achim Werner, der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Ingolstädter Stadtrat auf Facebook sofort als Erfolg der SPD:

Großer Erfolg für die SPD im Stadtrat! Mehr als 10 Jahre, nachdem die SPD eine Markthalle für Ingolstadt gefordert hatte, soll sie jetzt endlich kommen. Die CSU hatte es sogar so eilig, dass sie selbst einen Dringlichkeitsantrag stellte. Schade nur, dass sie nicht damals schon die Dringlichkeit gesehen hatte. Seinerzeit nämlich lehnte sie den SPD-Antrag ab. Die jetzt so dringliche Markthalle könnte es also schon längst geben. Der Stadtrat hätte nur dem SPD-Antrag zustimmen brauchen.

Schön, dass die Sozialdemoktraten durch die CSU an ihren eigenen Antrag erinnert werden. Allerdings hatte schon der frühere ÖDP-Stadtrat Franz Hofmaier im Juli 2016 im Planungsauschuss angeregt, über eine Markthalle in der Innenstadt nachzudenken. Die Reaktionen der anderen Partein auf Hofmaiers Vorschlag sind nicht überliefert.

Was alle wohl vergessen haben: Einigkeit über eine Markthalle in der Innenstadt und über ganz konkrete Pläne gab es bereits im Mai 2004. Da berichtete der Donaukurier:

 Die Absicht, auf dem Viktualienmarkt eine Markthalle zu bauen und die Theatertiefgarage zu erweitern, wird von allen Fraktionen des Stadtrates mitgetragen. Gestern gab es im Stadtentwicklungsausschuss keine Gegenstimme gegen den Grundsatzbeschluss für beide Projekte.

Fazit: Schon im Jahre 2004 wollten alle politischen Gruppierungen eine Markthalle in der Innenstadt. Geworden ist nichts daraus. Jetzt will es die CSU wieder und die SPD macht ihr das „Urheberrecht“ an der Idee streitig. Sind wir schon im Vorwahlkampf für die Kommunalwahl 2020, wo möglichst populäre Ziele wie die Markthalle, die wohl die meisten Bürger begrüßen dürften, in die Öffentlichkeit hinaus posaunt werden und die dann nach der Wahl in der Schublade verschwinden? Wurde nicht auch regelmäßig ein Schutter-Bachlauf in der Altstadt diskutiert? Soweit erinnerlich jeweils vor (!) beiden letzten Kommunalwahlen… Wo fließt gleich die Schutter in der Innenstadt?

Thomas Deiser widerspricht. Noch vor der Kommunalwahl 2020 soll es die Markthalle geben. Hier das Interview: