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E-Scooter – das große Missverständnis?

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sieht für E-Scooter (also Tretroller mit Elektroantrieb) ein großes Einsatzpotenzial: Sie könnten etwa für die „letzte Meile“ von der U- und S-Bahn oder von Bushaltestellen nach Hause oder zur Arbeit genutzt werden. Die Realität sieht anders aus.

Seit einigen Tagen gibt es sie endlich auch in Ingolstadt: E-Scooter. Für manchen Bürger sind wir damit Großstadt. Wenn es schon nicht zur Straßenbahn reicht, wenigstens Tretroller. In Berlin, München und anderen Großstädten sieht man die Flitzer schon seit längerer Zeit auf den Radwegen, Fahrbahnen und Bürgersteigen (wo sie nicht hingehören). 

TIER-Scooter

Schaut man sich in Ingolstadt um, fallen die Gefährte zunächst in größerer Zahl (morgens) vor dem Münster auf. Dort warten sie zwischen Bermudadreieck und den Bars und Cafés der Theresienstraße auf Kundschaft. Und die kommt. Zumeist sind es junge Leute, die offensichtlich in der Innenstadt unterwegs sind. Großes Gepäck haben sie nicht dabei. Das könnte man ja auch nicht transportieren auf so einem Roller.

Und da sind wir schon bei einem großen Problem. Auf der “letzten Meile” habe ich, wenn ich nicht nur gastronomische Bedürfnisse in der Innenstadt gedeckt habe, oft Gepäck dabei. Wenn ich beim Einkaufen war, von der Arbeit komme oder aus dem Urlaub oder von einem Ausflug zurückkehre. Da taugt der E-Scooter nicht zum Transport.

Schaut man sich die Standplätze der Roller an, so vermisst man eine Vielzahl von Gefährten an den Drehscheiben des Verkehrs: Bahnhöfen, ZOB und Bushaltestellen.

Dafür brettern jugendliche Nutzer flott durch die Innenstadt – gelegentlich auch durch die Fußgängerzone, wo sie nicht fahren dürfen (Radler auch nicht!). Die Rücksichtslosigkeit mancher Radler haben auch die Roller-Fahrer “übernommen”: Zwischen dem Giebel eines Hauses mit einem griechischen Lokal und dessen Außenbestuhlung befindet sich ein von der Stadt von allen Gastronomen geforderter Durchgang für Fußgänger. Der ist nicht allzu breit. Da fuhr mit erheblicher Geschwindigkeit ein junger Mann, ohne sich im geringsten um die Kellner und Gäste zu kümmern. Hätte ein Gast, um sich zu erheben, seinen Stuhl nach hinten zum Gang geschoben, wäre es zu einer wahrscheinlich heftigen Kollision gekommen.

In München war selbst die Polizei geschockt: Innerhalb weniger Tage gab es 418 Anzeigen wegen Alkohol! Die Nutzer wissen offensichtlich nicht, dass sie mit einem “normalen” Kraftfahrzeug am Straßenverkehr teilnehmen. Also: ab 0,5 Promille Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 Promille Straftat! 167 strafrechtlich relevante Trunkenheitsfahrten gab es in München in wenigen Tagen. 

Der erste Eindruck nach einigen Tagen: E-Scooter sind Freizeitgefährte, ersetzen den Pkw auf der “letzten Meile” keinesfalls. Für Berufspendler, die täglich unterwegs sind, dürfte der Spaß ohnehin zu teuer sein: Neben einer Aktivierungsgebühr von einem Euro fallen 15 Cent pro Minute an. Da kann die “letzte Meile”, die ja zu den Kosten eines Pendlers für den Zug oder Bus hinzukommt, ganz schön teuer werden.

Und wenn sie in Gerolfing, Mailing oder Zuchering wohnen, dann schauen Sie  ohnehin in die Röhre. Dort können sie den Roller nicht besteigen und wohl auch nicht abstellen, weil diese Orte außerhalb des Geschäftsgebiets liegen.

Test: Freitag 19.36 Uhr Standort Theresienstraße. Meine App zeigt keinen Roller in der Innenstadt an. Nur an der Schlosslände im Bereich Westliche Ringstraße und in der Reußstraße (außerhalb des Glacis).

Geschäftsgebiet von TIER (E-Scooter-Anbieter); Screenshot TIER/Google

 

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