Ein bisschen Turm darf sein

DGZ-“Turm” : Dieser Entwurf der Architekten Architekten Falk von Tettenborn und GINA Barcelona Architects soll realisiert werden. Foto:  Pressestelle Stadt Ingolstadt

Der Stadtrat hat entschieden. Endlich! Nun kann mit der Realisierung der Pläne für das Digitale Gründerzentrum der Architekten  Falk von Tettenborn und GINA Barcelona Architects (Variante 3b)  begonnen werden.

Der vordere Teil des Neubaus für das Digitale Gründerzentrum wird den Wasserturm auf dem Kavalier Dalwigk geringfügig überragen. Das dürfte der einzige Grund sein, das Bauwerk einen „Turm“ zu nennen.

Der Ingolstädter Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung entschieden, die Variante 3b der Entwürfe der Architekten Falk von Tettenborn und GINA Barcelona Architects zu realisieren. Eine große Mehrheit des Stadtrats unterstützte diese Variante.

Wer zu Beginn der Stadtratssitzung seinen Blick über die Köpfe der Stadträte schweifen ließ, dem war bald klar: Der von der CSU und den Freien Wählern favorisierte Entwurf (Variante 3b der Entwürfe der Architekten Falk von Tettenborn und GINA Barcelona Architects) wird eine Mehrheit erhalten. In den Reihen der Oppositionsparteien klafften nämlich erhebliche Lücken: So fehlten  u. a. Manfred Schuhmann (in Urlaub), Robert Bechstädt (Reha), Jörg Schlagbauer (AUDI-Hauptversammlung) und Klaus Mittermaier (50. Geburtstag) von der SPD sowie Thomas Thöne (krank) von der ÖDP. Dagegen waren die Reihen der „Rathauskoalition“ fest geschlossen und vollständig.

Dies hinderte freilich die Vertreter der Opposition nicht,  länger als eine Stunde mehr oder weniger nur darüber zu debattieren, ob man nicht die Entscheidung um drei Monate vertagen könne. Eine inhaltliche Debatte fand zunächst überhaupt nicht statt. Da konnte der Geschäftsführer der INKoBau, Nicolai Alexander Fall, sich den Mund fusselig reden und nachdrücklich darauf hinweisen, dass eine weitere Verzögerung eine fristgerechte Fertigstellung der Gebäude verhindern würden und pro Monat Fördermittel in Höhe von 60 000 Euro verloren gingen. Es fruchtete nicht. Die Opposition wetterte, sie brauche mehr Zeit, um die Entwürfe zu studieren und zu bewerten.

Nocolai  Alexander Fall , Geschäftsführer der INKoBau (re), forderte eine rasche Entscheidung des Stadtrats.

Schließlich beantragte Petra Kleine eine Sitzungsunterbrechung, die gewährt wurde. Wer nun erwartet hatte, die “vereinte Opposition” (SPD, Grüne, ÖDP und BGI) würde vielleicht einen Kompromissvorschlag für eine Vertagung unterbreiten, der irrte sich gewaltig. Die 15 Minuten Unterbrechung hatten offenbar genügt, um die Opposition zu einer Sachentscheidung zu befähigen. Jetzt wollte man Variante 1 der Entwürfe der genannten Architekten realisiert haben.  Warum die Linie, eine Sachentscheidung zu vertagen, plötzlich aufgegeben wurde, blieb ohne Begründung. Ohne große inhaltliche Debatte über die verschiedenen Varianten, die vielleicht angebracht gewesen wäre,  wurde nun in der Sache abgestimmt. Wie bereits bei Sitzungsbeginn voraussehbar setzten sich CSU und FW durch. Auch Ulrich Bannert und die UDI stimmten für Variante 3b. Nur UDI-Bürgermeister Sepp Mißlbeck , der vorher mit Veronika Peters (SPD) für den Entwurf eines ungenannt bleiben wollenden  Ingolstädter Architekten und Vertagung der Entscheidung plädiert hatte, stimmte nicht mit seinen Kollegen.

INKoBau-GF Fall:

Christian Lange (BGI):

Petra Kleine (Grüne):

Kommentar von Hermann Käbisch:

Der Ingolstädter Stadtrat bleibt sich treu. Wirklich mutige Entscheidungen fallen ihm schwer. Die Variante 2 der Entwürfe hätte eine städtebauliche Dominante darstellen können.  Ein echter Turm hätte zwar den Dalwigk wirklich überragt. Aber der Dogmatismus der Denkmalschützer (“Nicht höher als der Dalwigk”) sollte nicht Richtschnur des Handelns der Stadt sein. Kläglich die Rolle derer, die früher vehement den kühnen Wolkenbügel von Stephan Braunfels gefordert haben. Dieses Bauwerk hätte sich auch nicht dem Dalwigk untergeordnet. In der jetzigen Debatte bissen sie sich an der Höhe des Wasserturms fest – unglaubwürdig! Oberbürgermeister Christian Lösel hatte im Herbst letzten Jahres für einen echten “Wissenschaftsturm” gekämpft. Jetzt ist er mit einem Flachbau samt “Türmchen” zufrieden. Gerade mal  4 800 Quadratmeter Nutzfläche (ohne Restaurant) schafft der beschlossene Neubau. Ob das für den Raumbedarf reicht, den THI, Fraunhofer-Institut und weitere Einrichtungen für Künstliche Intelligenz haben werden, darf bezweifelt werden.  Hoffentlich kann angebaut oder aufgestockt werden – meinen Spötter bereits jetzt. Bei Variante 2b (“echter Turm”) hätte der Neubau 6 305 Quadratmeter  (ohne Restaurant) gebracht. Bleibt zu hoffen, dass der Stadtrat hier keine Fehlentscheidung getroffen hat.

 

 

 

 

 

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