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Flohmarkt rettet Klima und macht glücklich

Wer auf dem Flohmarkt gekauft oder verkauft, der tut was für die Umwelt. Denn hier findet Recycling statt. Und nach unserem sonntäglichen Besuch haben wir einen Baum in Kanada gepflanzt und müssen uns wegen eines Bildes wohl bei “Bares für Rares“ anmelden.

Seit Monaten hatten wir – ein paar ältere Herrschaften aus dem Ingolstädter Westen – keinen Flohmarkt mehr besucht. Wir waren also ausgehungert. Das vorweg um zu erklären, warum wir beim Einkauf ziemlich zugeschlagen haben.

Als wir den Flohmarkt bei Selgros ansteuern, sehen wir schon bald zugeparkte Straßen. Aber glücklicherweise gibt es ja den Parkplatz vom Ingolstadt Village. Der steht offenbar sonntags den Besuchern des Flohmarktes zur Verfügung und war bereits vor 9:00 Uhr recht gut ausgelastet.

Eigentlich wollten wir gar nichts bestimmtes kaufen. Einfach mal wieder über einen Flohmarkt bummeln. Aber schon nach ein paar Metern werden großelterliche Gefühle wach. Kinderbücher und Spiele in Mengen. Vor dem Tapeziertisch, auf dem sich die Objekte kindlicher Begierde stapeln und dahinter: Omas und Opas. Die einen kaufen die anderen verkaufen. Drei Bücher für den großen und Lego-Bausteine für den kleinen Enkel.

Drei Bücher für insgesamt fünf Euro (Fotos: hk)

Und dann läuft dem Opa doch tatsächlich noch ein Solar-Baukasten mit Mikrochip für digitalen Radioempfang über den Weg. Davon hatte er als Jugendlicher immer geträumt. Für acht Euro wird der Baukasten für den Enkel erworben. Laut Altersangabe ist er für Jugendliche ab 14 Jahre geeignet. Das Enkelkind ist fünf Jahre alt. Da ist der ältere Herr praktisch gezwungen, in der Zwischenzeit sich selbst mit dem Baukasten zu befassen … Die Vorfreude ist groß.

Digitaler Baukasten für acht Euro

Die weiblichen Teilnehmer des Beutezugs haben inzwischen einen Zuckersteuer erstanden (“Da braucht man keine Zuckerlöffel”) und feilschen um Tisch-Sets aus echtem Filz. 50 Cent soll ein solcher Untersetzer kosten. “Und wenn wir gleich den ganzen Bestand mit 15 Exemplaren übernehmen”, fragt ein männlicher Begleiter. “Papa ante portas” lässt grüßen. „6,50 Euro für alle“ bietet die resolute Verkäuferin an. Wir meutern, weil uns der Rabatt etwas gering erscheint. „Dann gehen Sie mal ins Möbelhaus XY, da zahlen sie für einen Untersetzer 2,50 €!“ Damit wechseln 15 Sets für 6,50 Euro den Besitzer. Wir haben schließlich für die Verkäufer Verständnis. Die müssen auch Standgebühren bezahlen – etwa 13 Euro für die Länge eines Audi A4, der hinter dem Tapeziertisch steht.

15 Sets und Zuckerstreuer für insgesamt 7 Euro. Auch der nagelneur Rührstab war ein Schnäppchen.

Kaum wurde ein Foto-Stativ für vier Euro – wer braucht nicht ständig ein Stativ und dann zu diesem Preis! – erstanden, da fällt der Blick auf Sonnenbrillen. Nicht irgendwelche, die hier tausendfach angeboten werden. Nein, es sind nagelneue mit einem echten Holzgestell. Im Internet kosten die 35 oder 40 €, wie uns eine junge Dame und ihr männlicher Begleiter versichern. “Hier auf dem Flohmarkt bekommen Sie die etwas günstiger. Wir sind heute das erste Mal hier.“ Eine Brille wechselt samt zugehöriger Holzbox von einer auf die andere Seite des Verkaufsstandes. 30 Euro wandern in die Gegenrichtung. Wir verlassen den Stand mit einem ganz guten Gefühl. Wir haben nämlich etwas für die Umwelt getan. Wie uns die junge Dame ziemlich glaubhaft versichert, wird für jede verkaufte Brille in Kanada oder irgendwo in der Welt ein Baum gepflanzt. Dafür trägt sie Sorge.

Brillen mit Holzgestell für 30 Euro (Sonderpreis)

Nachdem eine weibliche Teilnehmerin des Streifzuges im Vorbeigehen einen Ersatz-Rührstab für ihren Mixer erstanden hat, fällt ihr, die dem Camping nicht uneingeschränkt zugeneigt ist, eine Camping-Außendusche und eine Magnetlampe mit 12 V-Anschluss für den VW-Bus auf. Darf man da “Nein” sagen? Natürlich nicht!

Doch der männliche Begleiter zeigt sich undankbar. Gegen den ausdrücklich und deutlich erklärten Willen der Partnerin tritt er mit einem jungen Mann wegen eines Bildes in Verhandlungen. Es ist ein Nordsee-Motiv, das aus dem alpenländischen Kitsch, der sonst den Stand ziert, etwas herausragt. Die Signatur des Malers lautet „M. Jahns“. Ein schneller Blick mit dem Handy ins mobile Wikipedia lässt erkennen, dass es einen Maler dieses Namens gibt. Die Entstehungszeit des Bildes, das Genre sowie Wohnort und Motiv des Bildes würden passen. Aber der bei Wikipedia erwähnte Maler hat eine andere Signatur. Was soll’s? Der Verkäufer möchte das Bild offensichtlich loshaben. Der Kaufpreis fällt in den Verhandlungen ohne Widerstand des Verkäufers von 35 auf 20 Euro (inklusive Rahmen). Da kann man das Bild doch, obgleich leicht beschädigt, nicht einfach stehen lassen. Zuhause beginnt dann der Krimi: Die Werke des bei Wikipedia genannten Malers mit dem gleichen Namen werden zwischen 500 und mehreren Tausend Euro gehandelt. Er hat auch unterschiedlich signiert. Es könnte sich um ein Bild der “Neuen Sachlichkeit“ handeln, eine Kunstrichtung, der sich dieser Künstler teilweise zugewandt hatte. Wenn man aber von Malerei so wenig Ahnung hat wie der Käufer auf dem Flohmarkt, dann hilft nur eine Galerie (wo das Bild jetzt restauriert wird) oder vielleicht noch besser „Bares für Rares“.

Nordseemotiv – doch wer ist der Maler?

Zurück zur Nachhaltigkeit: Gerade die Zweitverwertung von Kleidung (neben Spielsachen, Büchern, technischen Geräten etc.) bietet sich auf Flohmärkten an. Manch einer möchte aber kein Sakko tragen, das ein anderer vorher an hatte. Hygienische Bedenken spuken durch den Kopf. Dann sollte man aber nie in einem Hotel oder einer Ferienwohnung übernachten. Die Bettwäsche dort wird auch nur gewaschen oder gereinigt (wie ein Kleidungsstück). Und wer leicht bekleidet in fremder Bettwäsche schläft kommt mit dem Material stärker in Berührung als der Träger eines gebrauchten Sakkos oder Kleides. Von den Handtüchern oder Matratzen ganz zu schweigen. Also darüber nachdenken: Flohmarkt statt Amazon. Das dient der Umwelt.

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