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Illuminaten und andere Aufklärer

Hat es ein Polizist mit der Wahrheit nicht so genau genommen und was wusste Heribert Fastenmeiers persönliche Referentin über das Verhältnis des zwischenzeitlich verstorbenen Klinikum-Chefs zu Alfred Lehmann. Darum ging es am zwölften Verhandlungstag im Prozess gegen den Alt-Oberbürgermeister, der mit einer persönlichen Erklärung zur Aufklärung beitragen wollte.

Bei den Ermittlungen gegen Alfred Lehmann war ein Kriminalbeamter ganz wesentlich beteiligt und federführend. Er hat auch Heribert Fastenmeier vor dessen Tod über die Vorwürfe, die gegen Alfred Lehmann erhoben wurden, befragt. Die damaligen Angaben Fastenmeiers führte der Polizist als Zeuge in den Prozess gegen Alfred Lehmann ein. Dieser wurde dadurch belastet. Der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft, der auch die Ermittlungen gegen Alfred Lehmann leitete, fragte den Zeugen bei der Vernehmung vor Gericht (die fand nicht heute sondern früher statt) abschließend, ob er den Eindruck habe, Fastenmeier habe mit seiner Aussage Lehmann belasten wollen. Die Antwort des Kriminalbeamten war eindeutig: Er habe nicht den Eindruck, dass Fastenmeier Lehmann „eine reinwürgen“ wollte. Dafür habe er keine Anhaltspunkte gehabt.

Nunmehr präsentierten die Anwälte der Angeklagten Mails, die zwischen Heribert Fastenmeier und seinerpersönlichen Referentin hin und her gingen. Diese Mails hatten die Verteidiger im Rahmen ihrer Akteneinsicht in den Unterlagen der Polizei/Staatsanwaltschaft gefunden.

In einer Mail vom Mai 2016 schreibt Heribert Fastenmeier, “Günter“ sei ein „Dreckschwein“. Mit “Günter“ war, das bestätigte auch die enge Vertraute Fastenmeiers, Alfred Lehmann gemeint gewesen. Fastenmeier und seine Referentin hatten sich für den damaligen Oberbürgermeister und seine Frau die Namen “Günther“ und „Isolde“ ausgedacht. Sie hätten diese Decknamen verwendet, da sie der Meinung gewesen wären, der IT-Leiter des Klinikums würde die Mails von Fastenmeier heimlich lesen.

In einer anderen Mail Fastenmeiers vom 27. Juli 2016 ist von einem „arroganten überheblichen Dreckschwein“ die Rede. Auch diese Beleidigung dürfte Alfred Lehmann gegolten haben.

Einzig und allein die frühere Referentin Fastenmeiers, mit der er auch nachts zwischen 23 und 24 Uhr per Mail verkehrte, wollte das nicht erkennen können. Dafür beschrieb sie eindringlich, wie es um den emotionalen Zustand des Klinikum-Geschäftsführers während der Sonderprüfung im Jahre 2016, die dessen Geschäftsführertätigkeit galt, bestellt war. Sie konnte sich auch keinen Reim darauf machen, wer denn die „Illuminaten“ seien, mit denen sich Fastenmeier offensichtlich regelmäßig traf. So schrieb er seiner Vertrauten im Juli 2016, dass er an diesem Tag wieder ein “Illuminaten-Treffen“ habe. Am 24. Juli 2016 schrieb Fastenmeier zunächst, ein “Dokument 2“ sei fertiggestellt worden, er werde es seine Vertraute “wieder lesen“ lassen. Und: “Morgen wird es in Ingolstadt turbulent.“ Was das zu bedeuten habe, konnte sich die Zeugin nicht erklären. Des Rätsels Lösung könnte sein: Am 25. Juli 2016 ging einer der ersten anonymen Briefe mit Anschuldigungen gegen Alfred Lehmann in den Umlauf.

Am 14. Juli 2016 hatte Fastenmeier seiner Vertrauten bereits mitgeteilt, er habe „heute beim Illuminaten-Treff“ erfahren, dass es eine Immobilienfirma “Lösel/Lehmann“ gebe. Die Nachforschungen würden laufen. Der Informant wolle nicht genannt werden. Aber man werde diese Geschichte kommunizieren. Auch hier wollte sich die Zeugin nicht erklären können, warum Fastenmeier ihr dies geschrieben habe, obgleich sie auf diese Mail binnen einer Minute geantwortet hatte: “Kann es nicht glauben. Das wäre der Hammer.“

Diese Mails lassen vermuten, dass Heribert Fastenmeier wenn nicht ein Autor der anonymen Briefe, mit denen Alfred Lehmann attackiert wurde, war, so jedoch zumindest ein Mitwisser. Aus der Korrespondenz ist auch klar erkennbar, dass Fastenmeier bereits damals Alfred Lehmann gehasst hat. Wie es dann zur Aussage des ermittelnden Kriminalbeamten und der Frage des Staatsanwalts kommen konnte, das gibt Rätsel auf. Sollten beide die zahlreichen Mails in den eigenen Unterlagen übersehen haben? Einer der Verteidiger erklärte (auf diese Möglichkeit angesprochen), es sei sehr schwer, diese Mails in den Unterlagen zu übersehen.

Nach dem Gesetz sind Staatsanwaltschaft und Polizei verpflichtet, objektiv zu ermitteln, also nicht nur belastendes Material sondern auch entlastende Umstände in den Prozess einzuführen. Dies gilt auch für die Anklageschrift.

An diesem zwölften Verhandlungstag kam auch Alfred Lehmann wunschgemäß ausführlich zu Wort. In einer persönlichen Erklärung versuchte er, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu entkräften. So wies er insbesondere darauf hin, dass er dem Mitarbeiter der IFG keine Weisung erteilt habe, den Vertrag mit einem Ehepaar aus dem Landkreis Eichstätt betreffend einen Wohnblock auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände zu beurkunden. In diesem Gebäude hat Lehmann dann später zwölf Apartments für sich und vier für seinen Vater erworben. Er sagte, dass der Mitarbeiter, der eine telefonische Weisung bekundet hatte, über diesen Vorgang keine Aktennotiz angefertigt oder sonst mit jemanden darüber gesprochen habe. Eine derartige Notiz sei in einem solchen Fall sicher angebracht gewesen und hätte sogar den Interessen des Mitarbeiters, also seiner eigenen Absicherung, gedient.

Lehmann erläuterte auch, wie es nach seiner Meinung dazu kam, dass er an der Sebastianstraße zunächst eine Wohnung im Rohbauzustand erworben habe, obgleich alle anderen Wohnungen fertig ausgebaut verkauft wurden und dann doch den Ausbau weitestgehend von dem Bauträger, zu dessen Erwerb des Grundstücks er beigetragen hatte, ausführen ließ. Sein Sinneswandel (Ausbau durch den Bauträger statt durch rumänische Handwerker) erklärte er damit, dass ihn eine schwere Kopfoperation, die nachweisbar ist, die gehandicapt habe. Ferner habe es mit seiner Frau damals familiäre Probleme gegeben. So sei ursprünglich geplant gewesen, dass sie Miteigentümerin der zu erwerbenden Wohnung werde. Schließlich habe er aber allein gekauft. Seine Frau hatte nach seiner Darstellung die Idee gehabt, mit rumänischen Handwerkern die Wohnung auszubauen.

Am kommenden Montag wird die Verhandlung fortgesetzt. Nach einem weiteren Verhandlungstag, an dem vermutlich plädiert wird, soll eigentlich am 10. Mai das Urteil verkündet werden. Am Ende der Sitzung war aber erkennbar, dass seitens der Verteidigung noch Beweisanträge gestellt werden. Dies könnte das Verfahren etwas verzögern. Nachdem seitens der Staatsanwaltschaft behauptet wird, Lehmann habe nie vorgehabt, die in der Sebastianstraße erworbene Wohnung selbst auszubauen, könnte er daran denken, rumänische Handwerker, die hier beauftragt werden sollten, als Zeugen zu benennen. Bisher ist ein derartiger Beweisantrag aber nicht gestellt worden.

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