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Kaputt gespart? SPD will für ÖPNV mehr Geld in die Hand nehmen

Viel zu wenige nutzen in Ingolstadt die Busse. Weil die Stadt den ÖPNV vernachlässigt – sagt die SPD.

Kürzere Wartezeiten für Fahrgäste durch mehr Busse und eine neue Linie vom Hauptbahnhof über die Staustufe bis zu Audi – das sind zwei der Maßnahmen, mit denen die Ingolstädter SPD, allen voran OB-Kandidat Christian Scharpf, die Autofahrer zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel veranlassen möchte.

Ingolstadt hinkt beim ÖPNV gewaltig hinterher

Wurde der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Ingolstadt „kaputt gespart“? Diese Frage stand unausgesprochen im Raum, als Manfred Meier, Verkehrsexperte der Ingolstädter SPD und Christian Scharpf, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters, die Vorschläge der Ingolstädter Sozialdemokraten zum ÖPNV präsentierten. In der Ära von Peter Schnell, als es Ingolstadt wirtschaftlich schlechter ging als danach, war das Bus-Angebot in der Stadt besser als unter seinen Nachfolgern. Im Jahre 2000 nutzten es durchschnittlich 55.000 Fahrgäste pro Werktag. Nach Schnell, so Christian Scharpf, gab es deutliche Preiserhöhungen für Fahrgäste bei gleichzeitiger Leistungsreduzierung. Dies habe dazu geführt, so der Sozialdemokrat, dass im Jahr 2007 bei stark steigender Einwohnerzahl nur noch 47.000 Fahrgäste pro Werktag das Angebot der INVG nutzten. Seit 2007 gehe es zwar langsam wieder aufwärts, so dass derzeit als bisheriger Höchststand 57.383 Fahrgäste an Werktagen gezählt wurden. Jedoch sei seit 2000 die Bevölkerung und 20,9 Prozent gewachsen, die Anzahl der Busnutzer aber nur um 4,4 Prozent. Ingolstadt steht in der Tat im Vergleich zu anderen Städten schlecht da. Dies beweisen die Zahlen des Modalsplit: Vom Gesamtverkehrsaufkommen entfallen Ingolstadt nur 7 % auf den ÖPNV, in Regensburg sind es 14 %, in Nürnberg 22 %, in Würzburg 16 %, in München 33 % und in Wien 39 %. Der öffentliche Personennahverkehr in München befördere, so der SPD-OB-Kandidat, bezogen auf die Größe der Stadt im Vergleich zu Ingolstadt dreimal so viel Fahrgäste.

Dieser geringe Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehrsaufkommen sei nicht die Schuld der Verantwortlichen bei der INVG. Deren Gestaltung des Liniennetzes und der Einsatz der Busse im Rahmen der vorhandenen Mittel wurde sogar mehrfach lobend erwähnt. Das Problem, so Scharpf, sei darin zu sehen, dass in Ingolstadt seit Jahren die Kosten für den ÖPNV „gedeckelt“ worden seien. Der Öffentliche Personennahverkehr ist betriebswirtschaftlich gesehen ein Verlustgeschäft. Dies dürfte allerdings auch für den Straßenbau gelten. Die jetzige Stadtspitze, angesprochen wurden Oberbürgermeister Christian Lösel und der langjährige Finanz-Bürgermeister Albert Wittmann, habe eine „Obergrenze“ von 12 Millionen pro Jahr für die Zuschüsse der Stadt Ingolstadt festgelegt. Zum Vergleich: Die Stadt Regensburg unterstützt den ÖPNV mit jährlich 20 Millionen €. In Ingolstadt werden pro Jahr und pro Bürger 75 € für den Nahverkehr aufgewendet, in Regensburg 95 € und in Würzburg sogar 140 €. Der öffentliche Personennahverkehr sei daher bei der jetzigen politischen Führung im Gegensatz zu anderen Städten ein Stiefkind.

Was die SPD ändern will

Christian Scharpf formuliert als Ziel eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen beim Öffentlichen Personennahverkehr. Der Anteil der Bus-Fahrgäste müsse von sieben auf 14 Prozent gesteigert werden. Dies soll durch ein Bündel von Maßnahmen erreicht werden. An erster Stelle steht dabei die Verdichtung der Takte: Auf den Linien des Basisnetzes (Hauptlinien) soll von Montag bis Freitag ein 15-Minuten-Takt eingeführt werden. Mittelfristig sei sogar an eine Taktstruktur von 10 Minuten auf den Hauptlinien und 20 bzw. 40 Minuten bei anderen Linien bzw. an den Wochenenden zu denken. Aber das kostet Geld. Daher fordert Scharpf die Aufhebung des „Kostendeckels“. Um vergleichbar kurze Takte wie in Regensburg (wo der Anteil des Öffentlichen Personennahverkehrs bei den von Scharpf angestrebten 14 Prozent liegt) anbieten zu können, müssen nach Meinung der SPD jährlich weitere 3,5 Millionen € in die Hand genommen werden. Eine kostenlose Nutzung des ÖPNV strebt die Ingolstädter SPD nicht an. Die Erlöse sollten vielmehr in eine Verbesserung des Angebots investiert werden.

Nach Auffassung der Sozialdemokraten sollte der Busverkehr auch beschleunigt werden. Es sei zu prüfen, wo eigene Spuren für Busse möglich seien; durch besondere Schaltungen der Verkehrsampeln könnte den Bussen Vorrang eingeräumt werden und auch die Einrichtung zusätzlicher Halteverbotszonen könnte den Busverkehr beschleunigen.

Notwendig ist nach Auffassung von Scharpf und Meier auch eine Erweiterung des Liniennetzes. In diesem Zusammenhang wurde der neue Audi-Bahnhalt zwar lobend erwähnt. Gleichzeitig wurde aber darauf hingewiesen, dass es hier bisher lediglich einen 60-Minutentakt gäbe. Die SPD möchte insbesondere eine neue Buslinie vom Südwesten über die Staustufe zum Nordwesten realisieren. Im Westen von Ingolstadt fehle eine leistungsfähige Straßenverbindung zwischen der Glacisbrücke und der Staustufe Bergheim. Die Glacisbrücke und die Westliche Ringstraße seien daher staugefährdet. Diese Maßnahme lasse sich relativ zeitnah umsetzen, obgleich zusätzlich ein Rad- und Fußweg bei der Staustufe geschaffen und der Engpass an der Antoniusschwaige beseitigt werden müsse. Aus Sicht der SPD ist es schwer verständlich, warum das sehr teure Projekt der Straßenverbindung mit einer vierten Donauquerung weiterhin verfolgt (Anm.: Es stehen Kosten von 500 Millionen € bei einer Untertunnelung der Donau im Raum), aber das kostengünstigere und kurzfristig umsetzbare Projekt „Bus über die Staustufe“ abgelehnt werde. Eine in der Vergangenheit erholte Studie, die zur Ablehnung einer Buslinie über die Staustufe geführt habe, sei von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Man habe dabei nur die Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und Audi vergleichend herangezogen, ohne die Vorteile für Haunwöhr und Friedrichshofen/Hollerstauden zu berücksichtigen. Sollte sich herausstellen, dass die Bus-Kapazitäten auf einer derartigen Strecke vom Hauptbahnhof über die Donaustaustufe bis zu Audi nicht ausreichen, so sei durchaus an eine Seilbahn zu denken. Insofern sollte die Prüfung dieses Verkehrsmittels fortgeführt werden.

Weitere Überlegungen zu schienengebundenen Massenverkehrsmitteln will die SPD in Kürze präsentieren. Dazu soll auch der Vorschlag einer Regio S-Bahn gehören. Das oft erwähnte Lufttaxi betrachte die SPD nicht als Massenverkehrsmittel. Im Hinblick auf die Standortpolitik für Ingolstadt und die Erhaltung bzw. Schaffung von Arbeitsplätzen sei der Einsatz dafür aber durchaus zu loben.

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