Kavalier Dallwigk – Offenbarung der Inkompetenz

Kavalier Dallwigk

Ein Deppenhaufen? Der Ingolstädter Stadtrat? Auf diese Idee könnte höchstens kommen, wer sich die Debatte über das Digitale Gründerzentrum zugemutet hat – am unsinnigen Donnerstag!

Tatsächlich soll der Begriff “Deppenhaufen” aus dem Sitzungssaal via Livestream nach außen gedrungen sein. Nun wird gefahndet, wer da aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und möglicherweise ein zu lautes Selbstgespräch geführt hat.

Doch verlassen wir diesen Nebenkriegsschauplatz. Eine Nachfrage von Petra Kleine (Grüne) war der Anlass für den Bericht, den Nicolai Alexander Fall den Stadträten vortrug. Der Geschäftsführer der INKoBau legte den Stand der Planungen für die Sanierung des Kavalier Dallwigk und den Anbau dar. Die INKoBau (Ingolstädter Kommunalbauten GmbH & Co. KG) ist eine 100 %-Tochtergesellschaft der Stadt Ingolstadt und als Dienstleister mit dem Bau, der Sanierung und der Bewirtschaftung von Sonderbauten betraut. Zum Aufgabengebiet gehören u.a. die Sanierung des Stadttheaters und eben des Kavalier Dallwigk.

Falls Bericht war sachlich und fundiert. Danach kam es anders. Nach etwa 90 Minuten machte Bürgermeister Albert Wittmann, der neben OB Christian Lösel als einer der Wenigen noch den Überblick hatte, den verzweifelten Versuch, der Debatte ein greifbares Ergebnis abzuringen. Am liebsten wäre ihm ein Beschluss des Stadtrats gewesen und um den herbeizuführen, wollte er auch einen Antrag stellen. Das war aber aus formellen Gründen so kurzfrisitig nicht möglich. Da überhaupt kein Antrag vorlag, weil nur ein Bericht vorgesehen war (Petra Kleine hatte ja keinen bestimmten Antrag gestellt), konnte der Stadtrat nichts beschließen. Die ganze Debatte erfolgte ins (Unsinnige?) Blaue hinein und lieferte nur ein widersprüchliches Stimmungsbild. Der bemitleidenswerte INKoBau-Geschäftsführer konnte aus der Sitzung nichts Verbindliches für sich mitnehmen. Das unverbindliche Stimmungsvotum, das Albert Wittmann – mit seiner Selbstbeherrschung kämpfend – in drei Punkten zusammenfasste, besagte: 6 500 Quadratmeter Nutzfläche (zzgl. Funktionsflächen), eine Terrasse für Gastronomie und maximale Höhenentwicklung (nur so hoch wie das Trafo-Häuschen auf dem Dallwigk, niedriger als der Wasserturm).

Diese in der Sache unsinnige Debatte muss wie folgt bewertet werden:

Warum hat diese Vorgaben – das Projekt befindet sich noch im Planungsstadium und muss später ohnehin den Stadtrat passieren – nicht der Aufsichtsrat der INKoBau, der noch dazu prominent und gut besetzt ist, gemacht?

 

Aufsichtsrat der INKoBau:

Vorsitz Lösel, Christian, Dr. Vorsitz

Wittmann, Albert 1. stv. Vorsitzender

Aufsichtsratsmitglieder

Achhammer, Johann Aufsichtsratmitglied

Rottenkolber, Simona Aufsichtsratmitglied

Hofmann, Christina Maria Aufsichtsratmitglied

Spindler, Karl Aufsichtsratmitglied

Leiß, Sabine Aufsichtsratmitglied

Schuhmann, Manfred, Dr. Aufsichtsratmitglied

Reichhart, Markus Aufsichtsratmitglied

Stachel, Johann Aufsichtsratmitglied (auch nach Ausscheiden aus dem Stadtrat)

Kleine, Petra Aufsichtsratmitglied

Lange, Christian Aufsichtsratmitglied

Hofmaier, Franz Aufsichtsratmitglied (auch nach Ausscheiden aus dem Stadtrat)

Gibt es, wenn schon debattiert wird, keinen Ingolstädter Stadtrat, der aufsteht und sich für mutige Architektur und ein Leuchtturmprojekt stark macht. Fallen alle Stadträte beim Begriff “Denkmalschutz” sofort in Schockstarre; sprechen nach Auffassung der unterwürfigen Räte die Denkmalschützer und der Gestaltungsbeirat wie der Papst ex ca­the­d­ra?

Es gab einmal Stadträte, die wollten einen “Wolkenbügel” – ein architektonisch außergewöhnliches Bauwerk ein paar Meter weiter westlich auf dem Gießereigelände errichten. Warum jetzt dem Wasserturm keinen modernen Zwillingsbruder zur Seite stellen? Lediglich Manfred Schuhmann (SPD) wagte es, den bisherigen Entwurf als “bieder” zu bezeichnen, hat aber wohl auch die Höhe des Dallwigk als architektonische Obergrenze im Gehirn verankert. Oberbürgermeister Christian Lösel hätte sich wohl einen Turm vorstellen können, ist aber offensichtlich vor dem Denkmalschutz, dem Gestaltungsbeirat und der Stadtbaurätin in die Knie gegangen.

Der ewig über phantasielose und eintönige Architektur jammernde Stadtrat ist – wohl mangels Kompetenz, weil es keine Architekten in seinen Reihen gibt – nicht in der Lage, mit der “Faust auf den Tisch zu hauen” und – gegebenenfalls auch gegen Widerstände von Denkmalschutz und Gestaltungsbeirat – mutige, spektakuläre Architektur für ein in die Zukunft weisendes digitales Gründerzentrum einzufordern.

 

Stattdessen: Kleinkarierte Diskussionen über Bauvolumina, Höhenentwicklung und Caféterrasse. Zu mehr ist dieser Stadtrat offensichtlich nicht fähig. Das ist das einzig konkrete Ergebnis der eineinhalbstündigen Diskussion.

Ist da jemand zu verdammen, dem in seiner Wut der Begriff “Deppenhaufen” rausrutscht? Am unsinnigen Donnerstag, an dem man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, sollte man daraus kein Affentheater machen.

Angebot für Faschingsmuffel: Die Debatte zum Digitalen Gründerzentrum zum Anhören

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