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Neue Stadtratsliste?

(hk) Ist Pfaffenhofen das Vorbild? Dort wollen Politiker von CSU und SPD mit einer eigenen Liste für den Norden des Landkreises die Kastanien aus dem Feuer holen.

Die Schwarzen und die Roten hat es in Pfaffenhofen offensichtlich kalt erwischt. Einige prominente Mitglieder beider Parteien wollen sich verbünden und mit einer eigenen Liste als Interessenvertreter des nördlichen Landkreises antreten.

Ist dies ein Vorbild für Ingolstadt? Hier gibt es in bürgerlichen Kreisen, insbesondere unter kulturell Interessierten, erhebliche Unzufriedenheit mit den etablierten Gruppierungen und Parteien im Stadtrat. Kultur, Geschichte und auch Brauchtum sollen angeblich für die derzeitigen Stadträte und Parteien eine nur untergeordnete Rolle spielen. Konkret entzündet sich die Unzufriedenheit wohl am Umgang der Stadtspitze mit der Bürgerbühne/Kammerspiele bzw. dem Museum für Konkrete Kunst und Design. Doch auch im Bereich des Brauchtums gibt es Ingolstädter, die mit der Entwicklung der Stadt nicht einverstanden sind. So fragen sich manche, warum wohl Ottmar Engasser wirklich nicht mehr Stadtheimatpfleger sein wollte und auch die Leitung des kultURIG-Festivals hingeworfen hat. Historisch Interessierte wiederum denken an die umstrittene Beseitigung von angeblichen Fundamenten der Eselbastei zurück.

Nun könnte es tatsächlich dazu kommen, dass sich die frustrierten, an Kultur, Brauchtum und Geschichte interessierten Bürger überparteilich organisieren und mit einer eigenen Liste für den Stadtrat antreten. Rekrutiert werden könnten Kandidaten beispielsweise aus den Freundeskreisen des Museums für Konkrete Kunst und Design, des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt, aus der Simon-Mayr Gesellschaft, dem Historischen Verein und zahllosen Trachten- und Brauchtumsvereinen. 50 Stadtratskandidaten zu finden, das dürfte nicht das Problem sein. Und auch die erforderliche Anzahl von Unterschriften für die Zulassung der Liste sollte kein unüberwindliches Hindernis darstellen.

Bei einigen etablierten Parteien hat man von diesen Bestrebungen schon gehört und sieht das Ganze mit Unbehagen. Relativ gelassen dürfte man bei der CSU darüber nachdenken. Außer Eva-Maria Atzerodt und vielleicht Hans Achhammer traut sich dort in den Fraktionssitzungen kaum jemand, das Wort “Kultur“ in den Mund zu nehmen, jedenfalls wenn die Stadtspitze anwesend ist. Führenden Repräsentanten der CSU wird ja nachgesagt, sie meinten, Kultur sei ein Luxusgut, das man ruhig vernachlässigen könne, da es nur eine ganz geringe Anzahl von Bürgern interessiere. Bei den Freien Wählern dürfte man das ähnlich sehen, sieht man von Ausnahmen wie Petra Flauger ab.

Bedenklich runzelt man offensichtlich die Stirn bei den Sozialdemokraten und den Grünen, die ja gelegentlich meinen, sie hätten die Kultur für sich gepachtet. Aber was haben die beiden Parteien denn wirklich bewegt? Seit dem Abgang von Gudrun Rihl klafft hier auch eine ganz große Lücke. Betroffen sein dürfte aber auch die Bürgergemeinschaft Ingolstadt, denn sie sammelte in der Vergangenheit Stimmen bei unzufriedenen Bürgerlichen, die sich einer neuen Gruppierung zuwenden könnten.

Geboren wurde die Idee einer eigenen Liste angeblich zunächst als scherzhafte Provokation in kleinster Runde in einem Ingolstädter Café. Wie ein Lauffeuer hat sich das Ganze aber innerhalb weniger Stunden verbreitet, nachdem Mitglieder etablierter Gruppierungen und Parteien angesprochen worden waren.

Einen Namen für die Liste gibt es wohl noch nicht. Kultur-Wähler-Ingolstadt oder Liste für Kultur und Brauchtum wurden genannt. Auch ein Slogan geistert bereits durch die Gegend. In Anlehnung an ein bekanntes Manifest aus einem früheren Jahrhundert schlug jemand vor: „Kulturbürger aller Parteien vereinigt euch!“

Sehr bald wird sich herausstellen ob das, was nach einem Faschingsscherz klingt, auch tatsächlich einer ist.

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