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Ökologisch indiskutabel?

Albert Wittmann und die WC-Debatte. Mit Anmerkung Petra Kleine!

Bürgermeister Albert Wittmann hält ein selbstreinigendes WC aus ökologischer Sicht für indiskutabel, „weil da ein Spülvorgang 20 Liter Wasser verbraucht. Das geht gar nicht!“ Bei diesem ökologischen Totschlagargument regte sich um Stadtrat kein Widerspruch, insbesondere nicht aus den Reihen der Grünen. Dabei ist mehr als fraglich, ob SUV-Fahrer Wittmann den Wasserverbrauch einer derartigen Toilette so geißeln durfte. Unterstellt man zunächst einmal, dass tatsächlich pro Spülvorgang 20 Liter Wasser verbraucht werden, so wäre als nächstes zu fragen gewesen, wie viel Wasser denn beispielsweise die selbstreinigende Toilette in der Schrannenstraße pro Jahr überhaupt verbraucht. Aber wir leben in Zeiten, in denen ökologische Thesen nicht unbedingt hinterfragt werden und so blieb Wittmanns Aussage unwidersprochen. Dabei spricht vieles dafür, dass Wittmann beim Thema „Wasser sparen“ ökologisch nicht auf dem neuesten Stand ist.

Der Bayerische Rundfunk fragte sich im letzten Jahr (https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/wasser-sparen-umwelt100.html): “Ist Wasser sparen in Deutschland unsinnig?“ Wir Deutschen haben nämlich das Wassersparen verinnerlicht, sind quasi Weltmeister in dieser Disziplin. Doch das hat, wie der Bayerische Rundfunk darlegt, erhebliche Nachteile mit sich gebracht:

1. In manchen Regionen Deutschlands fließt das Trinkwasser bei geringem Verbrauch zu langsam durch die Rohre, so dass sich dadurch Keime bilden können. Stehendes Wasser kann zudem zu Korrosion in den Rohren führen.

2. Weil das Abwasser in zu geringen Mengen auftritt, werden nicht mehr alle Ablagerungen aus der Kanalisation gespült. Dadurch entsteht nicht nur ein Fäulnisgestank, sondern es kann sich auch Schwefelsäure bilden, die Schäden verursacht.

3. In manchen Gegenden Deutschlands steigt sogar der Grundwasserspiegel, weil zu wenig Grundwasser entnommen wird. Dies hat dort teilweise zur Folge, dass Wasser in die Häuser drückt.

Bei der Konzeption unserer Trinkwasserversorgung und des Abwassernetzes wurde früher davon ausgegangen, dass es einen linear steigenden Verbrauch geben werde. Man nahm in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts an, dass der Verbrauch doppelt so hoch sein werde, wie es heute tatsächlich der Fall ist. Waren diese Annahmen schon für den privaten Verbrauch falsch, so ist auch der industriell-gewerbliche Verbrauch drastisch zurückgegangen. Durch Kreislauf- und Kaskadenführungen wird jeder Tropfen Wasser im Durchschnitt fast sechsmal genutzt.

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass man Wasser zwar nicht in rauen Mengen verschwenden soll, aber besonders sparsam muss man auch nicht damit umgehen. Insbesondere hilft es nichts, in Deutschland Wasser zu sparen, weil dadurch in anderen Teilen der Welt, in denen Wasserknappheit herrscht, nicht mehr Wasser zur Verfügung steht.

Die Tageszeitung die Welt kommt unter der Überschrift „Wasserspar-Irrsinn lässt Deutschlands Städte stinken“ in einem Artikel aus dem Jahre 2014 zum gleichen Ergebnis (https://www.welt.de/wirtschaft/article128369660/Wasserspar-Irrsinn-laesst-Deutschlands-Staedte-stinken.html).

Wittmanns Argument, der angeblich so hohe Wasserverbrauch von selbstreinigenden Toiletten sei ökologisch nicht zu vertreten, ist daher nicht stichhaltig.

Dazu Petra Kleine:

Anmerkung zum letzten Blog-Beitrag. Im Beitrag wird dargestellt, in der Diskussion um die Toilettenanlage sei es um die ökologische Frage des Wasserverbrauchs gegangen.  Das hätte man dem Hinweis des Bürgermeisters auf die 20 Liter bei gutem Willen entnehmen können. Tatsächlich spielte diese in den Vordergrund gestellte Zahl keine Rolle in der Abwägung. Wäre es um den Wasserverbrauch gegangen, hätte die Komposttoilette, die wir Grünen vor 3 Jahren vorgeschlagen hatten, bei der Abwägung  eine Rolle spielen müssen. Wäre es um den  Wasserverbrauch gegangen, hätte es zu diesem Kriterium z.B. einen Vergleich geben müssen. Dazu fand sich keine Aussage in der Verwaltungsvorlage, vor allem keine vergleichende. Wäre es um den Wasserverbrauch gegangen, hätte man selbstreinigende Toiletten vorgeschlagen, die weniger Wasser verbrauchen. Die wasserlosen Urinale wurden beispielsweise von uns Grünen erstmals vorgeschlagen und installiert (FC Stadion). Mein Fazit: Es ging erkennbar in der Toilettenfrage nicht einmal ansatzweise um eine ökologisch orientierte Abwägung der Toilette, daher hat es sich erübrigt darauf einzugehen und war eher geboten, diesen Anschein nicht zu geben, es ginge um die Wasserfrage. Verwaltungsvorlagen haben leider durchweg den Mangel, dass sie zu ökologischen Kriterien – Wasser, Abwärme, Energieverbrauch, CO2 – nicht grundsätzlich und auch nicht vergleichend informieren. Das muss sich ändern und versachlichen, und das werde ich in der nächsten Amtszeit dann selbst besser machen können, das ist mein Ziel. Dann können die ökologischen Argumente in der Sache wirken und weniger für machtpolitische Zwecke instrumentalisiert werden – denn um politische Demonstrationen ging es bei der ” 20 l Wasser”-Frage eigentlich. Ökologisch geht anders, darum muss die CSU solche unglaubwürdigen Debatten ohne uns führen. #nurnoch5Monate

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