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Rendite first! 14.000 Arbeitsplätze bei Audi in Gefahr?

VW-Chef Herbert Diess Foto: Audi
VW-Chef Herbert Diess Foto: Audi

VW-Chef Herbert Diess fordert höhere Renditen bei Audi. Der Ingolstädter Autobauer soll sparen und  muss Arbeitsplätze abbauen. Zahlen die Mitarbeiter die Zeche für ehrgeizige Renditeziele?

Wenn kommende Woche bei Audi zahlreiche Beschäftigte kurzfristig frei haben, dann liegt das im Augenblick daran, dass im Werk in Györ gestreikt wird. Doch der Ausfall von Schichten könnte sich zum Dauerzustand entwickeln.

Einsparungen bei Audi

Die Verkaufszahlen bei Audi sind miserabel. Kein Wunder, dass da über Einsparungen und den Abbau von Arbeitsplätzen diskutiert wird.

Bereits im Juli 2017 meldeten die Medien, dass Audi bis zum Jahr 2022 die Kosten um 10 Milliarden  Euro drücken wolle. Doch dieses Milliarden-Sparprogramm ist jetzt „Schnee von gestern“. Wie der Donaukurier und andere Medien berichten, sollen nun im gleichen Zeitraum 5 Milliarden mehr, also 15 Milliarden eingespart werden.

Im Manager-Magazin ist zu lesen, dass möglicherweise deutlich mehr als 10.000 Stellen abgebaut werden. Die Werke in Ingolstadt, Neckarsulm und Brüssel seien nicht ausgelastet, die Verwaltung zu üppig besetzt. Allerdings gilt eine zwischen der Arbeitnehmervertretung und dem Unternehmen ausgehandelte Beschäftigungsgarantie bis 2025. Die Strategie der Unternehmensleitung laufe daher darauf hinaus, so das Manager-Magazin, zunächst frei werdende Stellen nicht neu zu besetzen. Das seien pro Jahr etwa 3 Prozent der Belegschaft, in fünf Jahren also etwa 15 Prozent, nach den nicht bestätigten Berechnungen der Zeitschrift 14.000 Arbeitsplätze.

Aus Kreisen von Vertrauensleuten des Betriebsrates verlautet, dass man sich im Februar auf harte Verhandlungen mit der Unternehmensleitung einrichte. Es könne die Forderungen im Raum stehen, von insgesamt neun Schichten bei Audi zwei abzubauen. Das wäre ein drastischer Eingriff. Da betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind und durch nicht besetzte frei werdende Stellen eine so gravierende Reduzierung der Beschäftigung kurzfristig nicht zu erreichen ist, stehen Abbau von Überstunden, Interaktionen bei den Freizeitkonten und natürlich Kurzarbeit im Raum. Der bereits in der Vergangenheit angekündigte (http://ingolstadt.blog/stellenabbau-bei-audi-4000-arbeitsplaetze-gefaehrdet/) mittelfristige Verlust von 4000 oder mehr Arbeitsplätzen in Ingolstadt ist damit Realität geworden.

Grund für die Reduzierung der Arbeitsplätze ist aber nicht nur der schleppende Absatz der Produkte aus dem Hause Audi. VW-Konzern-Chef Herbert Diess fordert offensichtlich auch eine höhere Rendite von der Tochterfirma. Er scheint der Treiber im Hintergrund zu sein. Die Rendite-Ziele aus Wolfsburg, so das Manager-Magazin, seien anspruchsvoll. Offiziell würden 8-10 Prozent operativ angestrebt, doch für die Zukunft peile man 12 Prozent an. So viel hat Audi, seit der Jahrtausendwende vom Erfolg verwöhnt, in den letzten 25 Jahren nur einmal verdient – in guten Zeiten wohlgemerkt.

Herbert Diess – grenzenlose Gier nach Profit?

Werden mehr Arbeitsplätze, als durch den Umsatzrückgang nötig, abgebaut, um die Rendite-Illusionen des Konzernvorstands von Volkswagen zu realisieren? Diese Frage stellen sich manche Arbeitnehmer-Vertreter. Sie werfen dabei einen durchaus kritischen Blick auf den VW-Chef. Dessen Äußerungen und die dahinter stehende Einstellung als Konzern-Lenker regen zum kritischen Nachdenken an.

Im November 2018 warf der VW-Chef der Bundesregierung vor, in den letzten 30 Jahren habe es keine Industriepolitik in Deutschland gegeben. Es fehle eine „echte Agenda Auto“. Die Autoindustrie sei nie gefördert worden. „Sie war stets eine Steuerquelle und stark durch staatliche Regulierungen bestimmt.“ Diess forderte eine positivere Haltung gegenüber der Automobilindustrie.

Mitte Januar 2019 hat Diess dann angekündigt, angesichts drohender US-Zölle auf Importwagen, Elektroautos in den USA zu bauen und dafür rund 700 Millionen Euro in das VW-Werk in Chattanooga zu investieren. Dort soll im Jahre 2022 das erste vollelektrische Modell vom Band rollen. Diess gab dabei zu, dass diese Investitionen auch ein Schritt sein könnte, um den amerikanischen Präsidenten Trump zu besänftigen und zusätzliche Zölle auf Importwagen abzuwenden. Der Präsident der Vereinigten Staaten reklamierte die Entscheidung des deutschen Auto-Konzerns für sich als “großen Sieg”. Diess geht vor Trump in die Knie.

Etwa eine Woche vorher hatte der VW-Chef auch erklärt, die Zukunft von Volkswagen entscheide sich in China. Wohl auch aus diesem Grund hat er das China-Ressort bei Volkswagen höchstpersönlich übernommen. Während die großen Autokonzerne früher, so Herbert Diess, ihre Technologie von außen nach China gebracht und dort produziert hätten, spielten sich die Innovationen nunmehr selbst in China ab. Dort seien insbesondere die Fähigkeiten in der E-Mobilität weit entwickelt.

Die knallharten Vorgaben der chinesischen Regierung gegenüber den Konzernen in Sachen Elektromobilität dürften dafür eine Ursache sein. Insofern spricht der VW-Chef von einem „klaren Plan der chinesischen Führung“. Der befehlende Ton der chinesischen Regierung erfährt keine Kritik, sondern wird als “klarer Plan” gelobt!

Während also der Volkswagen-Konzern in China und den Vereinigten Staaten vor den jeweiligen Regierungen „kuscht“, wird gegenüber der deutschen Regierung bei Verhandlungen um den Diesel-Betrug von VW eine harte Haltung eingenommen und der Vorwurf fehlender Industriepolitik erhoben. Und auch die deutschen Käufer werden bei ihren Schummel-Dieseln nicht entschädigt. Welchen Charakter hat dieser Herbert Diess? Arrangiert er sich um des Profits willen mit den Mächtigen und lässt die deutschen Arbeitnehmer die Zeche zahlen?

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