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Totengräber der Kammerspiele

Mit Politik nach “Bürgermeisterart” brüskiert Sepp Mißlbeck (UDI) die Bürger und wird zum Totengräber der Kammerspiele.

In seiner Neujahrsansprache im Januar 2016 (!) kündigte Oberbürgermeister Christian Lösel an, statt eines Provisoriums für die Zeit der Generalsanierung des Stadttheaters einen auf Dauer angelegten Neubau zu errichten: die Kammerspiele. Man darf annehmen, dass das damals auch Bürgermeister Sepp Mißlbeck mitbekommen hat. Im Februar 2017 beschloss der Stadtrat einstimmig, die Kammerspiele im Umfeld des Stadttheaters zu bauen. Daran kann sich Mißlbeck vielleicht auch noch erinnern, gehört er doch dem Stadtrat an.

Es folgte eine umfangreiche Bürgerbeteiligung mit vielen informativen Veranstaltungen, an der sich vermutlich hundert mal mehr Bürger beteiligten, als jetzt Leserbriefe schreiben. Am 14. 12. 2018, vor mehr als einem halben Jahr, wurde das Ergebnis des Realisierungswettbewerbs für die Kammerspiele bekanntgegeben. Die drei preisgekrönten, von einer fachkundigen Jury ausgewählten Entwürfe sehen ein im Verhältnis zum Stadttheater (preisgekröntes Architekturdenkmal!) sich unterordnendes “Kleines Haus”, also die Kammerspiele vor. In der Jury dabei: Denkmalschützer und auch die Architektin, die das Urheberrecht des verstorbenen Hardt-Waltherr Hämer (er schuf das jetzige Stadttheater) wahrnimmt und ein gewichtiges Wort mitzureden hat.

Nun meldet sich Sepp Mißlbeck und möchte alles über den Haufen werfen und mit der Planung von vorn beginnen. Er legt Skizzen vor, die einen Bau an/über der Donau vorsehen, der sich gegenüber dem eigentlichen Stadttheater in den Vordergrund drängt, nach Schätzungen Fachkundiger doppelt so viel kostet, wie für die Kammerspiele eingeplant ist und der weder mit Denkmalschützern noch der Urheberrechtsinhaberin abgestimmt ist.

Diese Idee präsentiert Mißlbeck auch nicht dem Stadtrat oder der Verwaltung – wie man es bei einem seriösen Vorgehen erwarten dürfte – sondern nur der Tageszeitung. Das ist billigste Effekthascherei in Wahlkampfzeiten und Verhöhnung der Bürger, die ihre Ideen im Bürgerbeteiligungsverfahren eingebracht haben. In welchem Tiefschlaf befand sich der Bürgermeister, als die Pläne diskutiert wurden? Ach wäre Mißlbeck doch, wie er es am Anfang der Stadtratsperiode seiner damaligen Fraktion (FW), die ihn installiert hatte, versprochen hatte, wenigstens 2017 als Bürgermeister zurückgetreten. Dann müsste man jetzt nicht beklagen, dass der amtierende dritte Bürgermeister zu den Totengräbern der Kammerspiele zählt. Denn: Mißlbeck liefert das Wasser auf die Mühlen derer (insbesondere in CSU und FW), die die Kammerspiele zu Tode diskutieren und damit verhindern möchten. Diese Gegner der Kammerspiele lachen sich ins Fäustchen, dass sich einer gefunden hat, der ihnen die Dreckarbeit abnimmt. Oder war hier alles abgesprochen? Die Kammerspiele – in der Vorstellung von Intendant Knut Weber ein volksnahes Bürgertheater – müssen jetzt zum Thema im Kommunalwahlkampf werden und da muss jede Gruppierung Farbe bekennen. Nicht nur die Freunde des Stadttheaters, sondern auch die Ingolstädter, die die Beteiligung der Bürger am Verfahren gewünscht haben und den Bürgerwillen ernst nehmen, müssen jetzt auf die Barrikaden gehen. Politik nach “Bürgermeisterart” gehört abgestraft.

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