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Vom Aufstieg einer windigen Stadt

Peter Schnell blickte auf 30 Jahre als Oberbürgermeister Ingolstadts zurück – vom heftig kritisierten Klinikums-Baubeschluss über die “spontane” Einrichtung der Fußgängerzone bis zum Glanzstück Stadttheater .

Wie sehr die Ingolstädter „ihren“ Altoberbürgermeister Peter Schnell schätzen, machte die Zahl der Besucher einer Veranstaltung des Historischen Vereins deutlich. Unter dem Motto „Peter Schnell erzählt“ berichtete der langjährige Oberbürgermeister von der Entwicklung der Stadt – und die Leute kamen in Scharen, so dass man von der Gaststube im Erdgeschoss des Gasthaus Daniel in den großen Saal wechseln musste. „Wir sind es eigentlich nicht gewohnt, dass eine Veranstaltung des Historischen Vereins wegen Überfüllung verlegt werden muss,“ meinte Matthias Schickel, 1. Vorsitzender des Vereins und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten. Dass so viele gekommen seien, habe nicht mit seiner Person zu tun, betonte Peter Schnell – allerdings bekam er vom Publikum ein eindeutiges „Doch!“ zu hören.

Dann nahm er die Zuhörer mit in eine Zeit, die einem aus heutiger Sicht fast unglaublich erscheint. So war die Stadt Ingolstadt 1972, also im Jahr von Schnells Amtsantritt als Oberbürgermeister, von der heutigen Boomtown weit entfernt: „Wir haben nicht mal einen ausgeglichenen Haushalt gehabt, mussten Gewerbesteuer erhöhen und waren eine der ärmsten Städte in Bayern mit hoher Arbeitslosigkeit.“ Es sei eine „windige Stadt“ gewesen, dieses Ingolstadt, aber ihm habe es gefallen und dass er diese Stadt einmal „regieren“ würde, war eigentlich gar nicht vorgesehen, denn der Jurist träumte von einem Leben als Amtsrichter auf der Schanz. Als junger Wilder und Landtagsabgeordneter (1966 – 1972) hat er – frisch ins Amt gewählt – aber nun seine Ideen durchgesetzt. Und das gegen etliche Widerstände. Etwa, als es um den Bau des Klinikums ging. Der angedachte Standort neben der Friedenskaserne wurde von ihm abgelehnt, weil er – in Nachhinein zurecht – den Platz für zu beengt hielt und er massive Verkehrsprobleme befürchtete.

„Wer Schnell wählt, verhindert das Klinikum. So hieß es damals im Donaukurier.“

Im Rückblick bezeichnet er die Entscheidung, das Klinikum gegen alle Widerstände in Friedrichshofen zu bauen, als Glücksfall, der ihm aber auch hätte schaden können. Nicht weniger konsequent war Schnell beim Thema Fußgängerzone, die 1976 offiziell eröffnet wurde. „Vor Weihnachten war der Bereich für den Verkehr gesperrt und es war ein beglückendes Erlebnis, wenn sich die Menschen frei bewegen konnten,“ so Schnell. Daher habe man diesen Zustand einfach nicht beendet und auch nach Weihnachten die Sperrung bestehen lassen (sehr zum Unmut des DK Herausgebers Wilhelm Reißmüller). Und so hatte Peter Schnell noch zahlreiche weitere Episoden im Gepäck, wie die Entwicklung zum Audi-Standort, die umstrittene Müllverbrennungsanlage, die Zeit als Raffinerie-Standort, die Städtepartnerschaften, die Ansiedlung des GKO und die Sanierungsprojekte wie das Kavalier Hepp, in dem das Stadtmuseum untergebracht wurde, den Kauf des Herzogskastens und die Landesgartenschau. Jedesmal wurden historische Bauten (die von etlichen Ingolstädtern als altes Glump abgestempelt wurden) einer neuen Nutzung zugeführt. „Wichtig war, dass so etwas wie Wertschätzung für die alten Gebäude aufgekommen ist.“ Als Glanzstück der Stadt bezeichnet Peter Schnell im Übrigen das Stadttheater, von dem sogar ein Modell bei der Weltausstellung in Montreal im Deutschen Pavillon präsentiert wurde. Dass all diese Projekte Geld kosteten, steht außer Frage: „Aber wir hatten den Mut, Schulden zu machen. Ich hatte keinen Bürgermeister, der mir dauernd auf die Zehen gestiegen ist,“ schmunzelte der Ehrenbürger der Stadt Ingolstadt, der mehrfach betonte, dass ein respektvoller Umgang miteinander nicht nur nobel sei, sondern auch etwas bringe.

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