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Was ist Lehmanns Wohnung wert?

Am achten Verhandlungstag im Prozess gegen Alfred Lehmann und zwei weitere Angeklagte ging es unter anderem darum, was die Wohnung des früheren Oberbürgermeisters von Ingolstadt wert ist und was er dafür bezahlt hat. 

Alfred Lehmann hat von einem Bauträger aus dem Landkreis Pfaffenhofen eine Penthouse-Wohnung auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses erworben. Der Kaufvertrag wurde am 10. März 2015 abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt soll die komplett ausgebaute Wohnung nach Auffassung der Staatsanwaltschaft, die sich dabei auf ein Gutachten eines Bausachverständigen stützt, 817.523 € wert gewesen sein. Als Kaufpreis wurde damals aber nur der Betrag von 534.900 € festgelegt, da, so die Staatsanwaltschaft, zum Schein ein Rohbauvertrag vereinbart worden sei. Der Angeklagte und der wirtschaftlich Verantwortliche des Bauträgers aus dem Landkreis Pfaffenhofen hätten diesen Rohbauvertrag nur zur Täuschung geschlossen. Tatsächlich sei man sich darüber einig gewesen, dass der Bauträger den kompletten Ausbau der Wohnung übernehme und finanziere, ohne die hierfür anfallenden Kosten Alfred Lehmann in Rechnung zu stellen. Dies sei die Gegenleistung dafür gewesen, dass Alfred Lehmann dafür Sorge getragen habe, dass eben dieser Bauträger das letzte Baufeld beim Klinikum, auf dem sich die Wohnung befindet,  zur Bebauung erhalten habe. Überdies habe man beim Vertrag nicht wie sonst üblich, die Hälfte der Terrassenfläche eingerechnet. So sei als Wohnfläche 160 m² angegeben worden, tatsächlich betrage die Wohnfläche aber 171 m².

Alfred Lehmann hat neben dem Kaufpreis von 534.000 € noch weitere 130.000 € bezahlt. Insgesamt also etwa 665.000 €. Für den Ausbau, sagt er. Das ist der Aufwand für die Standardausstattung, die der Sachverständige seinen Berechnungen zugrunde legte. Rechnet man weitere Sonderleistungen für eine höherwertige Ausstattung ein, hat Lehmann etwa 756. 000 € bezahlt. Was die Zahlungen der weiteren 130.000 € (für Standard) betrifft, ist die Auffassung der Staatsanwaltschaft, dies sei nur geschehen, weil Lehmann zu diesem Zeitpunkt gewusst habe, dass gegen ihn ermittelt werde und er vortäuschen wollte, den Innenausbau doch selbst zu bezahlen.

Es ist noch komplizierter: Es gab es bereits eine notarielle Reservierungsvereinbarung aus dem Jahre 2013. In dieser notariellen Urkunde vom 9. Juli 2013 wurde abermals nur der Kaufpreis für eine Rohbauwohnung vereinbart. Er betrug 456.000 €. Das Gericht wollte vom Bausachverständigen nun wissen, was zum damaligen Zeitpunkt, also nicht bei Abschluss des Kaufvertrages im Jahre 2015 sondern bei Beurkundung der Reservierungsvereinbarung im Jahr 2013 die Wohnung wert gewesen sei. Der Sachverständige kam zu dem Ergebnis, dass der Wert der Wohnung ohne Innenausbau inklusive Tiefgaragen damals etwa 578.000 € betragen habe. Mit komplettem Ausbau und zwei Tiefgaragen hätte der Wert damals etwa 688.000 € betragen. Das ist nun in etwa der Betrag, den Alfred Lehmann bisher tatsächlich bezahlt hat (665.000 €). Sollte das Gericht auf den Zeitpunkt 2013 abstellen, so hätte Alfred Lehmann also in etwa das bezahlt, was für eine damals komplett fertiggestellte Wohnung hätte bezahlt werden müssen. Der Unterschied zwischen den 688.000 € im Jahr 2013 und 817.000 € im Jahr 2015 ist nach Auffassung des Sachverständigen mit der rasanten Kaufpreisentwicklung in Ingolstadt zu erklären.

Für den weiteren Fortgang des Prozesses und eine Verurteilung könnte es also darauf ankommen, ob Alfred Lehmann neben den 534.800 € die weiteren 130.000 € aus freien Stücken oder unter dem Druck polizeilicher Ermittlungen gezahlt hat. Hierüber wird Beweis erhoben werden. Insbesondere werden Bauhandwerker zu der Frage gehört werden, ob Ihnen bekannt war, dass die Wohnung von Alfred Lehmann eine Sonderrolle beim Ausbau des Anwesens gespielt hat. Die Bauhandwerker müssten also bekunden, dass tatsächlich hier ein Einzelauftrag entweder vom Bauträger oder von Alfred Lehmann selbst erteilt wurde.

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