Was will der FC Ingolstadt 04 in China?

Franz Spitzauer (3.v.r) und Tobias Roß (2.v.r) referierten auf Einladung des Audi Konfuzius Instituts an der THI.

FC Geschäftsführer Franz Spitzauer erläuterte an der THI die China-Strategie des Vereins.

Mit einer Marke Real Madrid oder FC Bayern kann man sich nicht messen. Und als Zweitligaverein, der gerade um das Überleben in dieser Liga kämpft, ist die sportliche Situation momentan auch nicht gerade Image fördernd. Und doch hat sich der FC Ingolstadt 04 im fernen China bereits ein gewisses Ansehen erarbeitet – in einer Nische, die von den großen Clubs wie Schalke, Dortmund und Co. eher links liegen gelassen wird. Die Rede ist von der Nachwuchsförderung.

„Wir gehen nicht groß mit dem Bundesligisten raus, sondern stellen die Fußballschule in den Mittelpunkt,“ erklärte FC Geschäftsführer Franz Spitzauer bei einem Vortrag, den er auf Einladung des Audi Konfuzius-Instituts Ingolstadt an der Technischen Hochschule hielt. „Der FC positioniert sich als Förderer des chinesischen Nachwuchsfußballs. Unser Ziel ist es, langfristig in China zu bleiben.“ Kern der Strategie ist dabei die Schanzer Fußballschule, die 2007 zunächst als nationale Einrichtung gegründet wurde und inzwischen mit 10 000 Kindern pro Jahr Deutschlands größte Vereinsfußballschule ist. Mit dem Partner Audi, der in China eine gute Reputation und natürlich auch mehrere Standort besitzt und angesichts in Aussicht gestellter Fördermittel wagte man 2016 den Schritt, in Peking ein Fußballcamp für Kinder auszurichten. Dabei wurden wertvolle Erfahrungen gesammelt, die sich nicht nur auf den Umgang mit den Kindern bezogen („Die Kinder waren anfangs eher verschlossen, der Trainer ist eine absolute Respektsperson“).

Unglückszahl Vier

Aus der Schanzer Fußballschule des FC Ingolstadt 04 wurde das Audi FC Ingolstadt Soccer Camp. Die 04 musste weichen, weil die Vier in China eine Unglückszahl ist und mit dem Wort Schanzer kam man im Fernen Osten auch nicht weiter. Beim FC gründete man eine eigene Abteilung „Internationalisierung“ und entwickelte dort (und tut das natürlich weiterhin) eine Strategie für die Aktivitäten in China und darüber hinaus. 2017 fanden bereits fünf Fußballcamps in China statt – mit den Partnern Adidas und Audi. 350 Kinder nahmen teil und der FC konnte sich über viel Aufmerksamkeit in den Medien freuen. In diesem Jahr hatte man im Rahmen der Soccer Camps an fünf chinesischen Standorten erstmals einen Wettbewerb „Audi FCI Top Talent“ ausgerichtet. Der Sieger ist mit seinen Eltern nach Ingolstadt eingeladen worden und durfte nicht nur beim FC mit trainieren, sondern bekam auch ein „Rundum-Paket“ mit Ausflugs- und Besichtigungsprogramm.

Fußballcamps als erfolgversprechende Nische

„Wir werden das ausbauen,“ meinte Franz Spitzauer. Und damit ist nicht nur der Talentwettbewerb gemeint. Unter anderem ist eine Partnerschaft mit der Stadt Foshan (Partnerstadt von Ingolstadt) geplant: „Wir sind kurz davor mit der örtlichen Fußball Association einen Vertrag zur Trainerausbildung für drei Jahre abzuschließen.“ Mit dem Nachwuchsfußball hat man beim FC ein Geschäftsmodell gefunden, das nicht nur unabhängig von den Leistungen und dem Image der Profimannschaft ist. Es ist vor allem auch wirtschaftlich höchst interessant: „Der FC arbeitet auf dem chinesischen Markt profitabel!“

Der zweite Referent des Abends, Tobias Roß, befasste sich mit der Bedeutung des Fußballs in China als eine Sportart mit steigendem Publikumsinteresse, aber keiner verwurzelten „Spielkultur“ wie es sie in Deutschland gibt, Fußball sei in China ein Schul- und Universitätssport. Aber Staatschef Xi Jingping hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2050 soll die chinesische Nationalmannschaft zu den Top Team der Welt gehören. Dazu wird jetzt schon das Thema Nachwuchsfußball und Trainerausbildung stark forciert. Und der FC Ingolstadt 04 kann ein kleiner Baustein in diesem großen Plan sein.