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Wenn der Intendant zum Kammerjäger wird

Info-Veranstaltung zum Neubau der Kammerspiele im Ingolstädter Stadttheater – Knut Weber: “Eine neue Debatte an einem neuen Standort würde uns das Genick brechen!“

Dass Menschen aller Altersklassen darauf drängen, dass etwas gebaut wird, ist gar nicht so selbstverständlich. Liest und hört man doch zumeist von Aktionen und Initiativen, die Bauprojekte stoppen möchten. In Ingolstadt aber können und wollen nicht nur die Mitarbeiter des Stadttheaters, sondern auch hunderte Theaterbesucher, Kulturschaffende und Freunde des Hauses nicht mehr warten, bis es endlich mit dem Bau der Kammerspiele los geht. So zumindest der Eindruck, der bei der Veranstaltung „Kammerflimmern 1“ im – miserabel klimatisierten – Foyer des Stadttheaters entstand.

Schauspieler Sascha Römisch brachte es auf den Punkt: „Es muss etwas verändert werden, jetzt ist die Chance da. Wann sonst?“ Schließlich ist der Bau der Kammerspiele eng mit der dringend nötigen Sanierung des Stadttheaters verknüpft. Ohne Kammerspiele, die auch als Ersatz für das Kleine Haus dienen, gäbe es für die Zeit der Sanierung gar keinen Theaterbetrieb. Und es ist ja nicht nur eine neue Bühne, die gebaut wird, sondern auch neue Werkstätten, die für den Betrieb des „großen Theaters“ dringend gebracht werden. „Wir stellen hier keine Luxusforderung, sondern wollen die Arbeitsbedingungen verbessern“, stellte Intendant Knut Weber klar. Wie marode der Hämer-Bau aus den 1960er Jahren inzwischen ist, machten Techniker, Bühnenbildner, Schauspieler und nicht zuletzt Intendant Knut Weber in ihren Statements deutlich. 50 Jahre Betrieb im größten Schauspielhaus Bayerns, das ursprünglich nur für Gastspiele geplant war, mit insgesamt 15 Millionen Besuchern haben ihre Spuren hinterlassen. Die Mitarbeiter kämpfen täglich mit zahlreichen Problemen. So sei die Klimaanlage nicht mehr zu steuern – auch, weil es für sie gar keine Ersatzteile mehr gibt. Eine Folge: Lichtsteuerpulte müssen bei 45 Grad Hitze arbeiten, was nicht immer problemlos funktioniert. Im Festsaal ist es mal drückend warm, dann wieder sehr kalt. Die elektrischen Leitungen des Hauses stammen zum Großteil noch aus den 60er Jahren und die Verteilerkästen könnten „aus einem technischen Museum stammen“. Für den Bühnenbau, die Garderobe und die Requisiten (Heidi Pfeiffer, Leiterin der Requisite: „Uns bleiben zu fünft sieben Quadratmeter, da muss man sich schon mögen!“) ist zu wenig Platz vorhanden, so dass Spielpläne nach der Auf- und Abbaulogistik geplant werden müssten:

„Es macht mich wahnsinnig, Produktionen beenden zu müssen, obwohl noch die Nachfrage der Zuschauer da ist!“ so Weber.

Uns so gäbe es noch etliche andere Baustellen, die den laufenden Betrieb des Theaters stetig weiter erschweren. Der Brandschutz sei schließlich nur noch bis zum Jahr 2022 zu gewährleisten. Dann müsste das Stadttheater womöglich schließen. „Ohne zeitliche Perspektive wird es schwierig, danach eine Betriebsgenehmigung für das Theater zu erhalten“, erklärte der Intendant, der sich als „leidenschaftlicher Kammerjäger“ bezeichnete. Diese Perspektive gäbe es, wenn bis dahin der Bau der neuen Werkstätten und der Kammerspiele in die Startlöcher käme.

Stadtratsbeschluss am 27. Februar nicht realistisch

Die Entwürfe aus dem Realisierungswettbewerb Kammerspiele und insbesondere die drei Erstplatzierten aus dem Wettbewerb stellte Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle vor. In der anschließenden Diskussion ging es dann auch schon ins Detail – Probleme vom Hochwasserschutz bis zu den wegfallenden Tiefgaragenplätzen wurden von Teilnehremn der Veranstaltung angesprochen. Die Entwürfe können derzeit auch im Lechner-Museum begutachtet werden (was bisher bereits rund 1000 Besucher getan haben). Eine Lösung, die alle Wünsche und Anforderungen erfülle, sei zwar wünschenswert, aber nicht realisierbar. Es müssten Kompromisse gemacht werden. Jetzt würden mit den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung zunächst Fragen an die Architekten erarbeitet, die dann wiederum ihre Entwürfe entsprechend anpassen müssen. „Das Vergabeverfahren ist noch nicht beendet“, so die Stadtbaurätin. Einen Stadtratsbeschluss am 27. Februar hält sie daher nicht für realistisch, weil den Architekten Zeit für ihre Ausarbeitungen gegeben werden müsste. Auch im März würde das Thema Kammerspiele Neubau noch nicht auf der Tagesordnung landen.

Der Ingolstädter Stadtrat hat am 21. Februar 2017 einstimmig beschlossen, als Ort für die Kammerspiele eine Situierung im Umfeld des Theaters zu wählen. Dementsprechend wurde der Realisierungswettbewerb auch ausgeschrieben. Damals wurde auch ein Kostendeckel von 30 Millionen Euro beschlossen. „Über diese 30 Millionen Vorgabe bin ich nicht glücklich“, meinte Knut Weber, aber: „Eine neue Debatte an einem neuen Standort würde uns das Genick brechen!“

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